LOOP. raum zwischen erinnern und vergessen.

Installation „Kunst im Gang“, Karl Rahnerplatz , Innsbruck

23.3.-3.5.2017

anna maria mackowitz/elisabeth melkonyan

 

Die Installation als Tabubruch im Erkennen eines geschlossenen Kreislaufs: der Bau der Bagdadbahn diente vor ca.100 Jahren dazu Waffen und Erdöl zu transportieren, heute werden immer noch Waffen in dieselbe Richtung geschickt und man ist verwundert darüber, dass Flüchtlinge auf derselben Route zurückkommen.

„Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen wie es denn eigentlich gewesen ist. Es heißt, sich einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick der Gefahr aufblitzt.“ (Walter Benjamin, 2011,959)

Elemente der Installation:

Schiffe bewegen und sind in Bewegung:

Neben der bekannten Symbolik (Verbindung von Diesseits und Jenseits, Orient und  Okkzident, Aufbruch und Ankunft, Rettung und Untergang) stellen sie in dieser Installation einerseits die Verbindung zur Historie her, andererseits bringt ihre Gegenwart das Auf-Schiene-Bleiben ins Schweben.

Die „Briefe der Ungesehenen“ sind Spuren des schöpferischen Potentials von Leben, die in ihrem Überleben, ihrer Freiheit und ihrer Transzendenz gefährdet sind. Sie verweisen auf ungesehenes Leben, auf die Abertausenden armenischen Zwangsarbeiter, die für den Bau der Bagdadbahn verschlissen wurden.

Die gemalten Blätter werden dem Vergessen und Nichgesehenwerden

entgegengehalten .

Dort, wo man mit Überleben beschäftigt ist, hat man keinen Raum für Transzendenz und nicht die Möglichkeit Freiheit zu entwickeln.

Gemalte Landkarte, Bagdadbahn/Loop eingestickt wie ein Zerschneidungs-Element.

Gewebe: Wer/was ist aus dem Gewebe der Zeit gefallen? Wessen erinnert man sich? Was wird vergessen? Erinnerungen werden gewoben. Manches bleibt hängen im Netz, anderes fällt durch. Texturen werden brüchig und Fäden neu geknüpft.

OEBB Schienenstücke+Schwellen auf dem Vorplatz der Jesuitenkirche

„Those who cannot remember their past are condemned to relive it. “ (G.Santayanas)

 

 

 

 

*Eckdaten: sind es die, die (von einem Leben) übrigbleiben?

Bagdadbahn= Berlin-Istanbul-Anatolien-Bagdad (damals Gebiete des Osmanischen Reichs, von dt. Baugesellschaft realisiert; 1888 begonnen, 1898 Schienen bis Konya, 1940 Bagdad)

Wer baute? Deutsches Reich unter Kaiser Wilhelm II. mit Sultan Hamid II.bzw.Mustafa Pascha mit Geldern der Deutschen Bank und  der französischen Orientbank, mit Bauingeneuren aus der Schweiz, aus Österreich und Italien.

Zwangsarbeiter aus Armenien: 1914 hatte die osmanische Regierung entschieden, alle Armenier aus ihren Siedlungsgebieten in Anatolien zu vertreiben; Armenier zwischen 16 und 60 Jahren wurden zusammengezogen zu Arbeitseinsätzen. Für den Bau der Bahn wurden 10 000ende ermordet. Mit der Bahn wurden auch Armenier aus ihren angestammten Siedlungsgebieten in die syrische Wüste gebracht (Viehwaggons).

Der dt. Oberstleutnant Boettrich, Chef der Eisenbahnlogistik, unterschrieb die Deportationsbefehle für die beim Bau eingesetzten Armenier. Der politischen Führung in Berlin galt der Massenmord an den Armeniern wenig, der Militärpakt zwischen Deutschland und der Türkei alles, die Bagdadbahn war Teil dieses Pakts.

Fotos: Monika Zanolin

LOOP Brüssel

Haus der Europaregion Tirol Südtirol Trentino 

rue de Pascale, Brüssel

15.5.-7.6.2018

Foto: Michael Jennewein